Kunstrundgang Sinsheim

von Rebekka Petri

1986 entstanden während der Zeit des Bildhauersymposiums die meisten Skulpturen des Sinsheimer Skulpturenrundgangs. Hier hatten sechs Bildhauer für vier Wochen ihre Ateliers verlassen und wollten den Sinsheimern die Möglichkeit geben, ihnen beim Schaffensprozess neuer Kunstwerke für die Innenstadt zuzusehen. Nach diesen vor 26 Jahren entstandenen Werken wurde die Sammlung an Kunst–Objekten in Sinsheim um viele Kunstwerke erweitert. Der frühere Kunsterzieher am Wilhelmi-Gymnasium in Sinsheim, Hans Münch, war Mitinitator des Bildhauersymposions.
Wir beginnen den Rundgang am Sinsheimer Wächter, welcher sich an der Ecke der Bahnhofstraße/Allee befindet. Der Sinsheimer Wächter, von Otmar Alt im Jahre 2005 gestaltet , ist eine 350 x 200 cm große und 6,5t schwere Betonfigur. Errichtet wurde sie unter dem Motto „Sinsheim bekennt Farbe“. Sinsheim ist eine lebhafte, bunte und offene Stadt, dies alles soll der Sinsheimer Wächter mit seinen verschieden Farben und Formen wiederspiegeln. Nun wacht er seit 7 Jahren über seine lebhafte, bunte und offene Stadt, indem er den Hauptbahnhof und die Innenstadt im Blick hat. Er wurde innerhalb von fünf Wochen nach einem Holzmodell und Zeichnungen Alt erbaut, danach ließ er sich alle Freiheiten für die Farbwahl.

Um den Slogan des Auto-Technik-Museums Sinsheims „Zu Wasser, zu Lande und in der Luft“ wiederzugeben, erstellte Till Hausmann, 1986, seinen bemalten Totempfal aus Buchenholz im Postgarten. Die 550cm große Skultpur ist aus einzelnen aufeinander gestapelten Bauklötzen zusammengebaut. Die Skulptur entstand durch Inspiration von Silhouetten von der Fabrikarchitektur, wie beispielsweise rauchende Schornsteine und bunkerhafte Häuserblocks, welche Wachstum und Fortschritt, aber auch Umweltverschmutzung und Arbeitslosigkeit verdeutlichen.

In der Werderstraße, stehen wir direkt vor der Kreuzfigur. Gerda Biers Figur ist eine der sechs Skultpuren des 1986er Bildhauer-Symposiums. Die 160 x 320 cm große aus Eichenholz und Eisen geschweißte Figur, stellt in stark reduzirter Weise einen abgemagerten, kopflosen Menschen dar, welcher, von Metallmaschetten gehalten, die Arme ausbreitet, als wolle er uns etwas verkünden.

Ein anderer Künstler der Neuzeit ist Berno Zwosta, der in seinem Atelier im Ortsteil Dühren anlässlich der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft 2011 sein Kunstwerk VierSins für den Platz vor dem Sinsheimer Rathaus kreierte. Die Holzstelen zeigen durch ihre Farbenvielfalt, die duch eine starke schwarze Konturierung noch hervorgehoben wird, das Miteinader der verschiedenen Nationen während der Weltmeisterschaft. Auf jeder Stele können Gesichter, aber auch Ornamente und Symbole entdeckt werden, die das friedliche, in der sportlichen Begeisterung vereintem Miteinander der Menschen bei einer WM unterstreicht.

Dank Christel Lechner haben wir in Sinsheim ein weiteres Erinnerungsobjekt an die Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft. Auch im Rahmen des WM-Kulturprogramms wurden fünf lebensgroße Alltagsmenschen auf dem Platz vor der Volksbank platziert. Sie betrachten die Anzeigentafel der Bank, ruhen sich auf den Mauer sitzend aus oder Betrachten das im Folgenden vorgestellte neueste Kunstwerk Sinsheims - die Hausgeburt.

Durch die naturalistische Darstellung der ausschließlich hellhäutigen, gemütlich, wenn nicht gar etwas behäbig wirkenden Menschen bekommt der Betrachter ein Lächeln ins Gesicht. Man bleibt stehen und betrachtet die Figuren genauer oder hat auch mal beim Warten an der Ampel Gelegenheit sie näher zubetrachten.

Was ist ein Haus? Ist die Polizeiwache mit ihrem Flachdach ein Haus? Oder entspricht unseren Vorstellungen eines Hauses nicht eher das, welches kopfüber an dem Polizeigebäude angedockt hat? Vier helle Wände, ein rotes Satteldach, Tür eun Fenster. Fehlt eigentlich nur der Blumentopf im Fenster. Allerding steht es kopfüber und es ist nicht wirklich betretbar.

„Es könne ja ein Haus, dachüber vom Himmel fallend, sich da hinstürzen wollen.“, äußerte sich Timm Ulrichs über sein Kunstwerk, Hausgeburt, welches seit 2012 an der Außenwand des Sinsheimer Polizeigebäudes der Wilhelmstraße hängt. Die Maße des Hauses sind etwa 4,5 Meter lang, 3,5 breit und 3 tief. Durch die nach innen versetzten Fenster und Türen soll eine besondere Perfektion erreicht werden und - angesichts des Standortes  -auch eine „gewisse Aggresivität“ ausstrahlen.

Am Elsenzufer in der Friedrichstraße befindet sich das letzte Kunstwerk dieses Rundgangs. Hier steht das Kunstwerk von Werner Pokorny, auch aus dem Jahre 1986, Zwei Häuser auf Stangen und Leiter. Die auf Stangen scheinabr wackelig in die Höhe gehobenen Häuser scheinen zunächst mit einer Leiter erreichbar und eröffnen Assoziationen zu Hochwasser , Flucht und Sicherheit. Diese Hoffnung wird jedoch bei genauererem Hinsehen zunichte gemacht, da die Leiter - im Verhältnis zu den Häusern überdimensioniert und plump - knapp am Haus vorbei wie eine Himmelsleiter in die Luft ragt.

Werner Pokorny, der mehrere Jahre am Wilhelmi-Gymnasium Sinsheim Kunst unterrichtete, bekam im Jahre 2013 den Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg verliehen.


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